Fern- und Juniorstudium

Fern- und Juniorstudium

Im Einklang mit OAPVO § 6 (8) erhalten unsere besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, verschiedene Frühstudiumsangebote zu nutzen. Wir vermitteln und begleiten unsere Juniorstudierenden an der Christian-Albrechts-Universität, der Universität Hamburg oder der Nordakademie.

 

Ein Erfahrungsbericht

Im Rahmen der vielfältigen Möglichkeiten an Förderprojekten für besonders Begabte bietet das Gymnasium Kaltenkirchen seinen Schülern und Schülerinnen seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, ein Fern- oder Juniorstudium schon vor Beendung der Schulzeit zu absolvieren. Dabei verlaufen beide Varianten parallel zum Schulalltag. Das Fernstudium ermöglicht es dem Schüler, zum gewählten Studienfach Material von einer Universität oder Fernuniversität zu beziehen und dieses zu Hause zu bearbeiten. Er oder sie muss lediglich zu wenigen Pflichtveranstaltungen an der Universität selbst erscheinen. Auf diese Weise lassen sich Schule und Studium mit geringem logistischen Aufwand vereinbaren.

Etwas anders aufgebaut ist das Konzept des Juniorstudiums. Hierbei besucht der Schüler bzw. die Schülerin wöchentlich von ihm bzw. ihr gewählte Seminare oder Vorlesungen an einer Universität im näheren Umkreis und nimmt dort als Student teil. Zu diesem Zweck kann auch eine teilweise Freistellung vom Unterricht erfolgen, der selbstverständlich eigenständig nachgeholt werden muss.

Ich selbst habe zu Beginn dieses Schuljahres ein solches Juniorstudium begonnen und kann nach nun fast einem Halbjahr positiv darauf zurückblicken. Begriffe wie „Universität“ und „Studium“ erfüllen einen Schüler natürlich zuerst einmal mit Ehrfurcht und einer gehörigen Portion Respekt. Wie sich zurechtfinden im Unialltag? Bei der Beantwortung dieser Frage standen mir sowohl die Schule als auch die Universität Kiel hilfreich zur Seite. Von den Lehrern erhielt ich wertvolle Hinweise zum Ablauf und Aufbau des Studiums und der Örtlichkeiten und auch an der Universität selber wurde hilfsbereit und entgegenkommend auf jede meiner Fragen eingegangen. Schnell machte ich die Erfahrung, dass das Studium sich strukturell nicht komplizierter gestaltete als der normale Schulalltag. Schon nach kurzer Zeit fand ich mich gut zurecht und fühle mich inzwischen dort genauso wohl wie an der Schule. Auch inhaltlich ist das Juniorstudium eine willkommene Ergänzung zum normalen Unterrichtsgeschehen. Es bietet die Möglichkeit, sich in außerschulischen Themenbereichen weiterzubilden und sich ein tieferes Verständnis bestimmter Sachverhalte oder Problematiken zu erschließen. Hierbei habe ich in den Seminaren nicht nur weiterführende Kenntnisse zur Geschichte Schleswig- Holsteins erwerben können, sondern wurde auch in verschiedene Hilfswissenschaften sowie die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens an sich eingeführt. Diese gestalten sich tatsächlich ein wenig anspruchsvoller als bisher gewohnt, doch wer sein Thema mit Begeisterung verfolgt, wird sich davon nicht stören lassen. Letztendlich sind es besonders die methodischen Kenntnisse, die auch in Zukunft ein großer Gewinn sein werden. Dabei war bei der Auswahl des Studienfaches für mich nicht ein konkreter Berufswunsch ausschlaggebend, sondern das Interesse für Geschichte. Mir persönlich erscheint das Juniorstudium als eine ausgezeichnete Möglichkeit, den eigenen Wissensdurst zu stillen und sich zugleich beruflich zu orientieren. Durch den tieferen Einblick in den ausgewählten Bereich fällt die Entscheidung in der Frage, ob dieser Beruf für die eigene Zukunft geeignet wäre, wesentlich leichter.

Natürlich bedeutet die Bewältigung eines Juniorstudiums neben der Schule zusätzlichen Arbeitsaufwand, den ich jedoch gerne akzeptiere. Als sogenannte „Juniorstudentin“ unterliege ich denselben Aufgaben und Pflichten wie die anderen Studenten auch. Wöchentlich besuche ich ein Seminar und erweitere dort sowohl mein fachliches als auch mein methodisches Wissen, zudem muss ich, ebenso wie meine Kommilitonen, ein Referat halten und eine Hausarbeit schreiben, wobei ich jedoch zumindest bei letzterer nicht ganz so strengen Auflagen unterliege. Diese Aufgaben fordern ihren zeitlichen Tribut, bereiten aber dennoch Freude, da sie eine interessante Herausforderung darstellen – wie auch das gesamte Studium.

Insgesamt kann ich das Juniorstudium als wichtige Erfahrung und ein Angebot voller Möglichkeiten werten, das jedem Wissensdurstigen weitreichende Einblicke in das Leben an der Universität und viele neue Erkenntnisse mit auf den Weg gibt. Noch Unentschlossenen setzt es zudem wichtige Schwerpunkte bei der Berufsorientierung und erarbeitet notwendige Grundlagen für ein späteres Studium. Das Juniorstudium stellt eine Herausforderung für all jene dar, die sich nach „mehr“ im Schulalltag sehnen.

Pia-Marie

Pia nahm im Wintersemester 2013/14 an einem Proseminar Neuzeit teil.